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Das Grab der Landwirtschaft: Warum der Fleischpreis steigen muss

Jürgen Greiner im Interview

Das Grab der Landwirtschaft: Warum der Fleischpreis steigen muss

Diplom-Volkswirt und Landwirt Jürgen Greiner über eine Fleischsteuer und mögliche politische Instrumente für mehr Klima- und Umweltschutz.

"Bauern sollten selbst heute schon beruhigt zu Bett gehen dürfen, ohne sich Sorgen ums Wetter oder den Markt machen zu müssen. Sie ernähren die Menschen und trotzdem haben sie den größten Stress. Der wird an die Natur und die Tiere weitergegeben."

 

Was halten Sie als Rinderzüchter von einer Fleischsteuer?

JÜRGEN GREINER: Meine Vorschläge zur Fleischsteuer sind radikaler als die von Herrn Schröder (Verbandspräsident des Tierschutzbundes, Anm. d. Red.), obwohl ich Rinderzüchter bin. Das Verhalten der Verbraucher wird sich durch eine Erhöhung der Mehrwertsteuer um 12 % für tierische Produkte nicht wesentlich verändern. Hierzu sind deutlich höhere Preise erforderlich in einer Größenordnung wie ich sie in meinem Schreiben an Herrn Minister Albrecht vorgeschlagen habe. Sie liegen bei mindestens 5 € pro Kilogramm Fleisch und 0,50 € pro Kilogramm Milch, gleiches schlage ich bei Zucker (2,50 €/kg) und Sojaschrott (1 €/kg) vor.

Würde man den Konsumenten dadurch nicht politisch bevormunden?

Bei den Landwirten, Verbrauchern und Politikern ist ein schnelles Umdenken erforderlich hin zu mehr Tierwohl, Klima- und Umweltschutz. Beim Klima scheint die Uhr bereits bei 5 nach 12 zu stehen. Uns bleibt nicht mehr viel Zeit, um die Erderwärmung zu begrenzen. Für freiwillige Maßnahmen haben wir keine Zeit mehr. Spürbare Umlagen auf tierische Produkte und Zucker würden nicht nur den Nahrungsverbrauch und -verschwendung schnell positiv beeinflussen, sondern können durch nachhaltige Produktionsstandards zur Erreichung öffentlicher Ziele dienen. Eine Halbierung des Fleisch- und Zuckerkonsums führt zu geringeren Krankheitskosten und mehr Produktivität. Gleichzeitig ändert sich das Verbraucherverhalten hin zu einer vielseitigeren und gesünderen Ernährung mit mehr Obst und Gemüse auf dem Teller. Die Menschen werden gesünder und die Umwelt wird weniger belastet. Der Gesellschaft ist damit nur geholfen.

Sehen Sie Fleisch nicht als ein Grundnahrungsmittel? Würde eine Teuerung nicht nur die sozial benachteiligten Schichten der Gesellschaft treffen?

Nein, ich sehe es nicht als Grundnahrungsmittel. In früheren Zeiten war es normal und ausreichend, dass Fleisch einmal die Woche gegessen wurde. Der Sonntagsbraten wurde zelebriert. Weniger aber hochwertiges und hochpreisiges Fleisch, das ist aus meiner Sicht auch heute der einzige Weg. Lebensmittel müssen generell mehr kosten, damit Bauern, die nachhaltig wirtschaften, existieren können. Die höheren Lebensmittelpreise müssten sozialverträglich begleitet werden durch höhere Hartz IV-Hilfen und niedrigere Krankenversicherungsbeiträge.

Wie wäre der Umwelt und den Tieren geholfen? Gebe es Verlierer auf Seiten der Verbraucher oder Landwirte?

Tierwohl beginnt an der Ladentheke. Nur was etwas kostet, erhält eine ausreichende Wertschätzung. Dies gilt gleichermaßen für den Verbraucher als auch für den Landwirt. Die Erzeugung von nachhaltigen Nahrungsmitteln mit hohen Tierwohlstandards ist mit erheblichen Kosten verbunden, die heute vom Weltmarkt mit „Schrottpreisen“ honoriert werden. Nahrungsmittel können zu Weltmarktpreisen nicht nachhaltig erzeugt werden, weil sie sich mehr an betriebswirtschaftlichen Grenz- als an den tatsächlich anfallenden Gesamtkosten orientieren. Dabei werden extern anfallende Kosten auf Dritte, die Gesellschaft und Umwelt verlagert. Öffentliche Leistungen werden vom Markt überhaupt nicht honoriert und sind in den Marktpreisen nicht enthalten. Bei höheren Lebensmittelpreisen gebe es nur Gewinner, auch unter den Landwirten, wenn sie endlich anständig für ihre Arbeit entlohnt werden. Der Verbraucher muss sich die Frage stellen, ob er lieber ein neues Auto fahren oder auch in Zukunft Essen auf dem Teller haben möchte. 

Von was für öffentlichen Leistungen sprechen Sie?

Ich spreche von öffentlichen Leistungen für Klimaschutz, Förderung der Artenvielfalt, Landschaftspflege, Gewässerschutz, Trinkwasserqualität, mehr Tierwohl, Mindestlöhne und Sozialleistungen, die von der Gesellschaft zurecht gefordert werden. Sie sollten über Steuern oder über eingepreiste Umlagen vergütet werden, damit die Landwirte, die dies umsetzen, nicht benachteiligt sind. Wichtig ist, dass die Umlagen und Steuern tatsächlich beim Landwirt landen.

Bekommen Landwirte nicht bereits Prämien und Zuschüsse?

Leider an falscher Stelle. Das hat viele Kleinbauern kaputt gemacht oder sie zu immer größerer Industrialisierung und Masse getrieben. Das jetzige Prämiensystem muss abgeschafft werden, da es Großgrundbesitzer und Vereine mit viel Fläche begünstigt und keinen Wert auf Umwelt- oder Tierwohlstandards legt. Anders gesagt: Es belohnt Besitz und nicht Leistung. Künftig sollte nur noch eine nachhaltige klimafreundliche Bodennutzung und eine tiergerechte Haltung belohnt werden. Eine humusabbauende Bodennutzung sollte gar mit hohen Abgaben bestraft werden, da Treibhausgase freigesetzt werden. Altes Grünland speichert im Durchschnitt genauso viel CO2 wie Wald. Für die Erhaltung von Grünland werden Grasfresser benötigt. Eine extensive Beweidung von humusreichen Flächen mit Rindern oder Schafen kann einen Beitrag zum Klimaschutz leisten.

Und Kleinbauern können diese Aufgabe eher bewältigen?

Eigentum verpflichtet, insbesondere wenn es um den Erhalt der Bodenfruchtbarkeit als notwendige Voraussetzung für eine nachhaltige Nahrungsmittelversorgung geht. Sie haben eine Bindung zu Boden und Tieren. Die Anzahl der bäuerlichen Familienbetriebe ist unverändert stark rückläufig. Auch durch sogenannte Umweltmaßnahmen der Politik.

Erklären Sie das gerne genauer.

Beispielsweise wurde durch das EEG-Gesetz mit der extremen Förderung von Biogasanlagen und auch daraus notwendigen Änderungen des Düngegesetzes und folgenden Verminderung der Rindermast und Mutterkuhhaltung das Höfesterben beschleunigt. Die bevorzugte Behandlung der Produktion für den Tank vermindert vor allem die Wettbewerbsfähigkeit der Tierproduktion und ganz besonders die der kleinen Betriebe von heute unter 100 ha und morgen von unter 1.000 ha, die fernhandelsfähige Güter erzeugen. Doch nicht nur das, sie ist nicht nachhaltig. Die Erzeugung von Biogas aus Mais durch Bildung von Blattmasse in kürzester Zeit, durch Umwandlung von in der Luft und im Humus enthaltenen Kohlenstoff, ist wie die Kohleverbrennung insbesondere auf humusreichen Böden nicht klimaneutral. Durch tiefes Pflügen insbesondere im trockenen Frühling und der Entwässerung organischer Böden wird der Humusabbau beschleunigt, weil hierfür Sauerstoff und Wärme erforderlich sind. 

Grünland darf nicht umgebrochen werden. Erscheint dies dann nicht sinnvoll?

In vielen Fällen, ja. Diejenigen Landwirte, die ihre organischen Böden als Grünland nutzen, dürfen diese Flächen nicht mehr pflügen. Diese Bearbeitungsbeschränkung sollte aus Umweltgründen für alle Böden mit hohem Humusgehalt gelten. Andernfalls werden Grünlandbauern im Vergleich zu Ackerbauern diskriminiert, die ohne Einschränkungen kostengünstigen Mais auf humosen Böden anbauen dürfen. Stattdessen wird die klimaschädliche Bewirtschaftung von humusreichen Ackerflächen extrem über das erwähnte EEG und zusätzlich über die GAP-Flächenprämien gefördert. Für alle ackerbaulich genutzten organischen Böden sowie zu tief entwässerten Moorböden sollten alle Förderungen unabhängig von der Bezeichnung ehestens gestrichen werden. Entsprechendes sollte für Maisanbau ohne Untersaaten gelten.

Wie könnte es verbessert werden?

Die Differenz zwischen garantierter Einspeisevergütung und Börsenstrompreis (EEG-Differenzkosten) sollte künftig zu Subventionen und zu den De-minimis-Beihilfen gehören. Die Förderung beträgt z. B. bei einem Stromertrag von 15.000 KWh/ha und 0,15 €/KWh Strompreisdifferenz 2.250 €/ha. Dieser Betrag ist höher als die Umsätze für die meisten Marktfrüchte und extensive Weidebewirtschaftung pro Hektar. Deshalb können Biogasanlagenbetreiber überdurchschnittliche Pacht- und Bodenpreise zahlen. Der Wettbewerb innerhalb der Landwirtschaft wird durch die garantierte Einspeisevergütung gemäß EEG erheblich zuungunsten der Produktion von Nahrungsmitteln verzerrt. Außerdem sollte nur noch die Energiegewinnung aus Gülle und Reststoffen gefördert werden.

Wie sieht es mit der Konkurrenz aus dem Ausland aus? Würden Sie den Preis nicht drücken?

Die gebe es nicht, wenn schon heute mehr Menschen regional und direkt vom Bauern einkaufen würden. Dann könnten mögliche Gewinne auch endlich beim Landwirt und nicht nur im Handel hängenbleiben. Ein Steak dürfte aus nachhaltiger Sicht gar nicht aus Argentinien oder Amerika kommen, wo häufig weder Tierwohl- noch Umweltstandards eingehalten werden. Doch selbst wenn, könnten bestimmte Maßnahmen getroffen werden. Ausländische Produkte würden ebenso besteuert werden wie deutsche. Alle Betriebe im In- und Ausland, die die von der Gesellschaft gewünschten hohen nachhaltigen Standards nach Überprüfung einhalten, sollten zusätzlich zu den Marktpreisen eine über Umlagen finanzierte Nachhaltigkeitsvergütung für ihre in Deutschland bzw. der EU an Endkunden verkauften Nahrungsmittel erhalten.

Ihr Fleisch liegt bereits in einem höheren Preissegment, da Sie bestimmte Standards freiwillig umsetzen. Würde es dann nicht noch teurer werden? Könnten Sie dadurch nicht zu einem der Verlierer werden?

Wenn die so eingenommenen Gelder, wie wir vorschlagen, nach Tierwohl, artgerechter Haltung und nachhaltiger Landnutzung verteilt würden, könnten wir unsere Preise beibehalten. Der Ausgleich liefe darüber. Uns geht es nicht um Gewinnmaximierung, sondern um einen respektvollen Umgang mit der Natur, den Tieren, dem Boden, der uns versorgt. Unsere Chancen stünden besser, wenn die Fleischpreise allgemein höher wären. Fleisch ist zu billig und die Tiere scheinen deshalb in unserer Gesellschaft keinen Wert zu haben. Es könnte ein neues Bewusstsein für eine nachhaltige Ernährung entstehen. Wir würden vermutlich neue Kunden dazugewinnen, die Wert auf Tierwohl und Umweltschutz legen und dennoch Rindfleisch essen wollen. Wie ich bereits sagte, weniger aber dafür in hoher Qualität.

Wie stellen Sie sich die Landwirtschaft der Zukunft vor?

Über Verträge zwischen Erzeugern und der Gesellschaft bzw. Verbrauchern sollte die Marktwirtschaft ergänzt werden, um nachhaltige Ziele erreichen zu können. Die von der Landwirtschaft erbrachten öffentlichen Leistungen sollten künftig fair vergütet werden. Bauern sollten selbst heute schon beruhigt zu Bett gehen dürfen, ohne sich Sorgen ums Wetter oder den Markt machen zu müssen. Sie ernähren die Menschen und trotzdem haben sie den größten Stress. Der wird an die Natur und die Tiere weitergegeben. Das muss ein Ende finden.

Eine letzte Frage habe ich an Sie: Essen Sie selbst zu viel Fleisch?

Vermutlich ja. Deshalb weiß ich, dass politische Maßnahmen notwendig sind, um Klima und Umwelt zu retten. Selbst wenn ich nur das Fleisch meiner eigenen Tiere esse, die durch artgerechte Fütterung keine Nahrungskonkurrenz für Menschen sind und meilenweit über der Supermarktware liegen, was Umwelt- und Tierschutzstandards anbelangt. In Zukunft werde ich mein Essverhalten auch ändern müssen, so ehrlich muss ich mit mir sein, aber es ist schwieriger als man denkt.

J-rgen_tiere

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